Tagebuch: Zimmerei Kay Arnswald „Manche mögens Holz“

„Ältestes bewahrt mit Treue,
freundlich aufgefasstes Neue“

Johann Wolfgang von Goethe

Zimmerei Kay Arnswald


Tagebuch eines Auszubildenden bei „Manche mögens Holz“
aus Helbigsdorf / Wilsdruff

Gern bin ich Ihnen bei Ihrem Anliegen behilflich und freue mich auf Ihren Anruf unter
Tel.: 035209 369048 • Mobil: 0172 7936590
oder auf Ihre Nachricht.

„Hier schreibt der Stift - Tagebuch eines Auszubildenden“


Hey, ich bin Moritz, 22 Jahre alt und seit dem 1. August 2018 Lehrling in der Zimmerei Arnswald, denn auch ich mags Holz! In meinem Tagebuch werde ich ab und zu aus meinem Alltag berichten, Dinge erzählen, die ich interessant finde und am Wichtigsten, hoffentlich ein paar schöne Bilder von der Baustelle zeigen. Auch wenn ich im ersten Lehrjahr viel Zeit in der Berufsfachschule verbringen werde, denke ich, dass immer mal etwas Interessantes anfallen wird, also schaut doch mal vorbei!

25.05.2019: Abbau Oberlaubenhaus Chemnitz

In der fünften und vorerst letzten Wochenendaktion haben wir nun alle Holzbauteile unseres Chemnitzer Oberlaubenhauses abgebaut und abtransportiert. Diesmal hatten wir einen Kran dabei, was den zeitlichen und körperlichen Aufwand natürlich stark erleichtert hat. Das Haus liegt nun auf wenigen Quadratmeter zusammengestapelt und wartet auf seine Wiedergeburt.

03.05.2019: Fachwerksanierung im Bestand

Am Beispiel dieses Hauses in Ullendorf lässt sich sehr gut zeigen, was unsere alltägliche Arbeit ist: Fachwerksanierung im Bestand. In einer Woche haben wir das Fachwerk samt Schwellen und Rähm auf sechs Metern komplett ausgetauscht, leider war hier aus dem Altbestand nichts zu retten. Auch zwei Deckenbalkenköpfe mussten saniert werden, doch in den übrigen konnten wir die historischen Verbindungen erhalten bzw. wieder nutzbar machen. Nach dem Einbau der neuen Schwellen und dem Abbund der einzelnen Fachwerkteile folgte schließlich der Kraftakt des Einbaus der Wand in den Bestand, d.h. zwischen Schwellen und Deckenbalken des Untergeschosses und die Deckenbalken der Dachebene. Hierfür braucht es Geduld, Präzision und eine gewisse Bereitschaft zu punktueller Gewaltausübung ...

Alte und neue Fachwerkteile im Bestand des historischen Bauernhauses
Anpassen der neuen Schwelle an jeden einzelnen Deckenbalken
Nachdem die zerstörten Bauteile entfernt wurden, können die ersten neuen Hölzer mit dem Kettenzug nach oben gebracht werden

18.02.2019: Rückbau Oberlaubenhaus Chemnitz

Nicht immer ist es möglich Baudenkmäler vor Ort zu erhalten, wie es wünschenswert wäre, und daher haben wir es hin und wieder auch mit unkonventionelleren Methoden der Denkmalpflege zu tun. Ein Beispiel hierfür ist dieses Oberlaubenhaus in Chemnitz von 1777. Es war bereits zum Abriss freigegeben, doch da es in Sachsen nur noch sehr wenige Häuser dieser Art gibt lag es sowohl der Denkmalbehörde als auch uns, als Fachwerkenthusiasten sehr am Herzen eine Konservierung zu ermöglichen.

Also wurde der Plan eines geordneten Rückbaus zum Zweck eines späteren Wiederaufbaus im Rahmen eines (noch zu entstehenden) Freilistmuseums in Mittelsachsen gefasst. Um diese Transloszierung (so der Fachbegriff) überhaupt möglich zu machen, war zu allererst ein detailliertes Aufmaß nötig, wobei alle Hölzer des Hauses nummeriert wurden, um sie in der Zeichnung zu kartieren.

Es folgten die umfangreichen aber umso vorsichtigeren Rückbaumaßnahmen, die allesamt ehrenamtlich erfolgten. Abschließend wurde das Haus in Einzelteilen in einer Scheune eingelagert und es bleibt nur zu hoffen, dass die Wiedererrichtung nicht allzu lange auf sich warten lässt, ich halte euch auf dem Laufenden!

Jahrelang mangelnde Pflege hinterlässt das einstige Schmuckstück in einem traurigen Zustand.
Die sogenannte Oberlaube, in Sachsen kaum noch zu finden.
Auch Details, wie diese Fenstergewände werden sorgfältig geborgen.
Abbunddetails
Jedes Bauteil bekommt eine Nummer.
Alle Teile sind nummeriert und in einem Katalog aufgenommen.
Rückbau 1: Die Dachhaut wird entfernt.
Rückbau 2: Jedes Sparrengebinde wird einzeln abgenommen.
Rückbau 3: Der Mittelstuhlrahmen steht als letztes.
Rückbau 4: Die Deckenbalken werden einzeln abgenommen.
Rückbau 5: Die Fachwerkwände sind geborgen.

21.12.2018: Es ist Weihnachtszeit und daher ein paar Worte zur Nächstenliebe

     MISSION LIFELINE · SEARCH AND RESCUESicherlich hat eine kleine Zimmerei aus Mittelsachsen nur einen sehr begrenzten Einfluss auf das politische Geschehen in der Welt. Dennoch wollen wir das gesellschaftliche Geschehen nicht aus den Augen verlieren. Angesichts der guten Konjunktursituation im Handwerk wollen wir unser sozialen Verantwortung nachkommen und haben uns dieses Jahr für eine Spende an MISSION LIFELINE entschieden. Dies ist eine Dresdner Organisation, die Seenotrettung im Mittelmeer betreiben. Das massenhafte Sterben von Schutzsuchenden auf dem Mittelmeer und das Wegsehen von Institutionen und Zivilbevölkerung beschämen uns zutiefst. Falls es Ihnen genauso geht, finden sie hier das Spendenkonto von MISSION LIFELINE und Informationen, wie sie die Organisation ansonsten unterstützen können: www.mission-lifeline.de
Ich und die Firma wünschen Ihnen allen eine friedliche Weihnachtszeit und einen guten Start in 2019!
Ihr und Euer Moritz

03.12.2018: Messeauftritt „denkmal“ Leipzig und 20-jähriges Firmenjubiläum

Anlässlich des 20-jährigen Firmenjubiläums haben wir im Oktober an der „denkmal“ 2018 teilgenommen. Es ist die europäische Leitmesse für Denkmalsanierung auf der sich die richtig großen Firmen präsentieren. Und wir. Dementsprechend aufgeregt waren wir im Vorfeld. Wochenlang suchten wir nach sinnvollen Ideen für unseren Stand und entschieden uns schließlich für eine Lebensechte Fachwerkwand mit anschaulichen Reparaturbeispielen. Glücklicherweise konnten wir auf einer Abrissbaustelle Altholz bergen, das wir entnagelten, bürsteten und schließlich in unsere Messewand verwandelten. Noch einige Holzverbindungen allerlei dekorative Spielereien und los ging es zur Messe. Die war spannend, anstrengend, interessant und auf jeden Fall erfolgreich. Neben vielen zufriedenen Kunden hatten wir auch viele neue Gesichter mit spannenden Projekten am Stand und ich hatte Gelegenheit mich über die verschiedensten Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Lehre zu informieren.

Ein Haufen altes Holz, viel Arbeit beim Bergen und Aufbereiten. Daraus soll noch was Vernünftiges werden?
Nach dem Herstellen der Holzverbindungen hole ich den Dreck der Jahrhunderte herunter, jetzt sieht es schon nach was aus.
Alle Bauteile werden auf dem Boden vorgelegt und angerissen.
Wie auf unseren Baustellen haben wir altes und neues Holz mit traditionellen Holzverbindungen zusammengefügt.
Endlich ist es soweit. Unser Stand wird auf der Messe aufgebaut.
Gleich am ersten Tag besuchen uns Präsident und Geschäftsführer der Handwerkskammer und die Leipziger Messeleitung.
Ein wenig stolz erzähle ich interessierten Besuchern über unsere Arbeit.

22.08.2018: Schleifen von Robinienstücke für Kindergärten

Eine Konstante der Firma sind kleinere Aufträge für die örtlichen Kindergärten und so helfen wir immer gern, wenn es darum geht, den Hausmeistern mit schönem Holz zuzuarbeiten. Hier schleife ich gerade Robiniestücke, die am Ende als Palisaden den Sandkasten begrenzen werden. Nichts Aufwendiges, aber mit Robinie zu arbeiten, ist immer toll!

Schleifen von Robinienstücke für Kindergärten
Schleifen von Robinienstücke für Kindergärten

14.08.2018: Bau einer Fachwerkwand zur Raumverkleinerung

Das Schönste an unserer Arbeit: Im Gegensatz zu vielen großen Zimmereien machen wir echt schönen Kleinkram. Hier ging es darum, in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus aus dem vorletzten Jahrhundert einen großen Raum in zwei kleinere zu verwandeln. Da es der Anstand verbietet, hier über Trockenbaulösungen nachzudenken, kamen wir zum Zug und bauten eine neue Fachwerkwand, die wir im bestehenden Deckenbalken verzapften, etwas knifflig, genau unser Ding. Beim Abbund von neuen Konstruktionen nutzen wir die traditionellen Abbundzeichen, die das spätere Zuordnen und Zusammensetzen der Bauteile erleichtern. So wird die Endmontage zum Kinderspiel und nebenbei sieht es einfach wirklich gut aus! Das fand auch der Bauherr, der sich schließlich (entgegen der bisherigen Planung) entschloss, eine Seite der Wand unverputzt zu belassen, um die Sicht aufs Holz zu erhalten. Gut das wir uns prinzipiell darum bemühen, dass am Ende alles gut aussieht.

Bau einer Fachwerkwand zur Raumverkleinerung
Bau einer Fachwerkwand zur Raumverkleinerung
Bau einer Fachwerkwand zur Raumverkleinerung